VSG-Volleyballer wissen jetzt: Nur 100 Prozent reichen


"Wir wollen nicht hochnäsig sein", sagt Trainer Torsten Busch, "aber vor dem ersten Heimspiel in Westerstede müssen wir die Nase höher heben!" Wie das?

Es ist der Situation geschuldet. Der Trainer erklärt das augenzwinkernd mit dem Tabellenstand in der Regionalliga. "Nehmen wir Nase und Augen nicht höher, dann sehen wir die Tabellenspitze nicht", sagt er halb ernst, halb belustigt trotz des eigenen misslungenen Saison-Auftaktes. Die Ammerländer sind Sechste - und den Gegner am kommenden Sonntag (16 Uhr, Robert-Dannemann-Halle) müssen sie ganz weit oben suchen. Der MTV 48 Hildesheim gewann zum Saisonstart 3:0 gegen Bremen 1860!

Eigentlich hätten auch die Ammerländer in die Spitzengruppe hingehört. Zweieinhalb Sätze lang hatte es zum Auftakt in Salzgitter so ausgesehen, als könnte die VSG gleich Wohnrecht im Obergeschoss der Liga für sich anmelden. 25:9 endete der erste Satz für die VSG, 25:15 der zweite. Und was sollte bei einer 18:14-Führung im dritten dann noch schiefgehen? Leider bis zum 25:27 und dann zum 2:3-Endstand alles …

Mannschaftskapitän Jens Zander fasst das Debakel knackig in die Feststellung: "Wir sind keine 90-Prozent-Mannschaft!" Will heißen: "Spielen alle persönliche hundert Prozent, müssen wir in der Liga niemanden fürchten. Lehnen wir uns zu früh zurück und meinen, das Ding mit 90 Prozent Engagement nach Hause schaukeln zu können, ist das für uns Gift." 

Es war ganz früh eine bittere Lehre. Doch Zuspieler Arne Tyedmers und die anderen stecken den Kopf nicht in den Sand: "Jetzt müssen wir etwas daraus machen. Und das machen wir auch, denn in unseren Kader setzen wir alle viel Vertrauen, auch, wenn es mal kritisch wird." 13 Spieler bilden eine Mischung aus Alten und Jungen, und alle sind in der Lage, Verantwortung zu übernehmen.

"Es ist jetzt wichtig, dass wir die erste Hälfte des Spiels fürs Selbstvertrauen griffig und motivierend einordnen und die zweite selbstkritisch analysieren", knüpft Busch an. Bei den Youngstern hat Julian Laabs in Salzgitter überzeugt, Silas Gerdes (aus der zweiten Mannschaft aufgerückt) hat sein Talent nachgewiesen, Jannis Jargow zeigt sich als ideale Ergänzung im Zuspiel zu Arne. Die Qualitäten von Timo Pundt, zum Auftakt nicht dabei, sind sowieso bekannt.

Ähnlich aufgestellt ist der Gegner aus Hildesheim. Auch Spielertrainer Frederic Döring hat einen interessanten Kader mit einer Mischung aus drittligaerfahrenen Spielern wie Außenangreifer Benedikt Ehrig und Zuspieler Patrice Fankhänel und hoffnungsvollen Talenten. Nach zwei souveränen Satzgewinnen drohte gegen Bremen 1860 im dritten Satz auch ein Satzverlust, anders als die Ammerländer gewannen die Hildesheimer diesen aber trotz 22:24-Rückstand in der Verlängerung (26:24). 

Die Corona-Pandemie hat natürlich auch die Ammerländer vor einige Herausforderungen gestellt. "Aber wir haben gute Lösungen gefunden, unser Hygienekonzept ist schlüssig", führt Joachim Meyer-Holz, der VSG-Vorsitzende, aus. Hundert Zuschauer dürfen in Westerstede von der Tribüne aus das Geschehen verfolgen. Diese müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen, außerhalb des Sitzplatzes eine Maske tragen und auf den Sicherheitsabstand achten. Die Verantwortlichen haben alles getan, um auch in Corona-Zeiten gewohnte Heimspielatmosphäre zu schaffen. Dazu gehört neben dem Hallenaufbau mit farbigem Spielfeld, zahlreichen Werbebanden und dem Catering-Bereich natürlich auch DJ und Hallensprecher Rossi. Und überhaupt gilt doch: "Endlich wieder Volleyball - das wiegt vieles auf."






















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