Erste erkämpft einen Punkt und ist doch enttäuscht

Enttäuschte Ammerländer ließen nach dem Abpfiff die Köpfe hängen. Jedoch nicht weil sie gerade die zu erwartende Niederlage beim bis dahin verlustpunktfreien Tabellenführer SF Aligse kassiert hatten, sondern weil sie am Überraschungserfolg nur ganz knapp vorbeigeschrammt waren. Zwei Punkte fehlten der VSG nach knapp zwei Stunden Spielzeit zum Sieg, aber in der Crunchtime des letzten Satzes zogen die Aligser den Kopf noch aus der Schlinge und gewannen mit 3:2 (25:17, 25:22, 21:25, 22:25, 15:13).

In den ersten zwei Sätzen sah es nicht danach aus, dass es an diesem Abend in der Sporthalle Lehrte noch zu so einem Krimi kommen sollte. Der Tabellenführer bestimmte mit starken Aufschlägen und harten Angriffen das Spielgeschehen. Die Ammerländer fanden überhaupt nicht in die Partie: Viele Aufschlagfehler, die Annahme wackelte und im Angriff fehlte die Durchschlagskraft. Nach nur 20 Minuten Spielzeit ging der erste Satz mit 20:25 verloren. Der zweite verlief ähnlich. Nach verpatztem Start (3:7) konnten die Ammerländer zwar zwischenzeitlich ausgleichen (8:8), liefen aber schnell wieder einem Rückstand (15:20) hinterher und verloren den Satz 22:25. Aber immerhin: VSG-Diagonalangreifer Silas Gerdes fand in der Endphase im Angriff besser ins Spiel.

„Wenn du 0:2 hinten liegst und eigentlich chancenlos bist, musst du als Trainer reagieren. Normalerweise bringst du dann den zweiten Zuspieler, den haben wir aber nicht“, erläuterte Trainer Torsten Busch seine Überlegungen vor dem dritten Satz. Busch erklärte Libero Focko Alex für spielunfähig und beorderte Außenangreifer Thomas Adelmann auf dessen Position. In den Außenangriff rückte Kapitän Jens Zander. Ein taktischer Schachzug, der das Spiel völlig veränderte, denn ab sofort agierten die Ammerländer auf Augenhöhe.

Mitte des dritten Satzes erspielte sich die VSG die erste deutlichere Führung (12:9) und gab diese nicht mehr ab. Hatten die Aligser in den ersten beiden Sätzen insbesondere mit ihren starken Sprungaufschlägen immer wieder einfache Punkte geholt, stand die VSG-Annahme um den neuen Libero Thomas Adelmann jetzt stabil. So schaffte es Zuspieler Jannis Jargow, ein variableres Angriffsspiel aufzuziehen. Diagonalangreifer Gerdes, der später zum MVP gewählt wurde, fand auch in schwierigen Situationen im Angriff Lösungen: mit Höhe und Härte am Block vorbei oder mit viel Gefühl in die Lücke im Feld. Nach dem 25:21-Satzgewinn wirkten die Ammerländer deutlich selbstbewusster und optimistischer.

Trotzdem liefen sie im vierten Satz erst einmal lange einem Rückstand hinterher (6:9, 8:12). Mit Simon Adelmann am Aufschlag gelang die Wende. Die VSG war im Block und in der Feldabwehr ein ums andere Mal zur Stelle und ging mit 16:15 in Führung. Den entscheidenden Vorsprung erspielten sich die Gäste in der Endphase, hatten beim 24:20 vier Satzbälle und nutzten den dritten nach einer langen und spektakulären Rallye zum 25:22-Satzgewinn.

Einen Punkt hatten die Ammerländer damit sicher, aber jetzt wollten sie mehr. Mutig und entschlossen erspielten sie sich im fünften Satz schnell eine Zwei-Punkte-Führung (4:2) und hielten diese bis zum 13:11. Dann wurde Kapitän Jens Zander, der ein gutes Spiel machte, zur tragischen Figur des Abends: Erst konnte er den Punktball zum 14:11 nicht nutzen und dann scheiterte er bei zwei weiteren Anläufen im Angriff – 14:13 für Aligse. Busch brachte Julian Laabs im Außenangriff für Zander, aber auch sein Angriff wurde geblockt. Riesenjubel auf Aligser Seite, enttäuschte Gesichter bei den Ammerländern.

„Wir haben im dritten, vierten und bis zum 13:11 auch im fünften Satz richtig guten Volleyball gespielt. Das hat richtig Spaß gemacht“, konnte Thomas Adelmann als Erster der knappen und unglücklichen Niederlage etwas Positives abgewinnen. Busch pflichtete ihm bei und verwies auf den kleinen Fortschritt: „Gegen Delbrück standen wir mit leeren Händen da, heute nehmen wir immerhin einen Punkt mit. Beim nächsten Mal spielen wir es zu Ende!“ Mit fünf Punkten aus vier Spielen und der Gewissheit, in allen Spielen als Aufsteiger absolut konkurrenzfähig gewesen zu sein, sind die Ammerländer voll im Soll. Nach einem spielfreien Wochenende geht es am Sonntag, den 30. Oktober, um 16 Uhr gegen den USC Braunschweig.

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